Von Andreas Baingo

Auf­stei­ger mit Potenzial zum Spektakel

Peter Ducke findet, dass der FC Carl Zeiss Jena längst nicht alle Wünsche erfüllt, sich aber dennoch tapfer schlägt.

Auf­stei­ger mit Potenzial zum Spektakel von Andreas Baingo

Den Paukenschlag haben sie sich unterhalb der Kernberge bis zum letzten Tag vor der Winterpause aufgehoben. Da ist das “Paradies”, wie sie in Jena das Areal mit dem Ernst-Abbe-Stadion nennen, tatsächlich kurz mal himmlisch. 4:3 haben sie, zumal eine Halbzeit in Unterzahl, gegen Aufstiegsaspirant Wehen/Wiesbaden gewonnen. Da haben sie deutlich gemacht: Der FC Carl Zeiss ist ein Aufsteiger mit Potenzial zum Spektakel.

Timmy Thiele hat innerhalb von 24 Minuten alle Zeiss-Tore erzielt (nach zuvor gerade einmal einem Treffer) und sein Team auf Rang 12 geballert, die zweitbeste Saisonplatzierung nach Platz 10 gleich zu Beginn des Spieljahres. Das soll zeigen, dass die Thüringer angekommen sind in der Liga, in der sie schließlich dreimal auch schon die Rote Laterne trugen.

Timmy Thiele und seine Stern-Minuten gegen Wehen/Wiesbaden: Viermal darf er nach eigenen Treffern jubeln. Foto: Imago

Hoch und runter geht es in der Tabelle für die Männer von Aufstiegstrainer Mark Zimmermann wie während einer Fahrt mit der Achterbahn. So geht es den Fans auch mit ihren Gefühlen, so geht es ebenso den zahlreichen Alt-Internationalen, von denen die Jenenser jede Menge haben, auf der Tribüne. “Manchmal gucke ich ganz gern hin”, gibt deshalb Alt-Star Peter Ducke zu, “manchmal, sogar noch im selben Spiel, muss ich aber gleich wieder ganz schnell weggucken.”

“Wenn ich an die Zukunft denke, so fünf Jahre weiter, ach Gott, da bin ich ja schon 80. Nichtsdestotrotz drücke ich Jena einerseits die Daumen und wäre andererseits schon froh, wenn es so bleibt wie es ist.”
Peter Ducke

Der Grund, der nicht nur in Jena die Emotionen schwanken lässt, ist existenzieller Art. “Die meisten der 20 Mannschaften, darunter eben auch Jena, versuchen, zu überleben”, hat Ducke ausgemacht. “Eigentlich ist das schlimm, weil es der pure Existenzkampf ist, nur ist das Niveau eben so. Da kann ich unseren Jungs, zumal sie gerade erst aufgestiegen sind, keine großen Vorwürfe machen.”

Allerdings sähe Ducke, Zeiss-Ehrenmitglied und einer, der die Glanzzeiten nicht nur erlebt, sondern selbst geprägt hat, gern, würde ihm in der Rückrunde mehr geboten. “Ich setze keine hohen Maßstäbe an, aber wer wie ich mal ganz oben gespielt hat, mit der Auswahlmannschaft durch die ganze Welt getourt ist, der hat einen anderen Anspruch und guckt deshalb anders hin als die meisten anderen. Das ändert sich auch nicht mit den Jahren.”

Andererseits bricht der Altmeister für seine Nach-Nachfolger gern auch eine Lanze. “Ich verfolge die Leistungen sicherlich sehr kritisch”, gibt er zu, “und das schon seit Jahrzehnten. So erkenne ich an, dass sich die jetzige Mannschaft als Aufsteiger doch nicht ganz so schlecht schlägt, wie es manchmal aussehen mag.” Deshalb hat der 76-Jährige den Glauben noch lange nicht aufgegeben und sagt: “Ich hoffe, dass ich vielleicht doch mal wieder etwas bessere Zeiten erlebe.”

Das ist Peter Ducke (76):

68 Länderspiele/15 Tore; Fußballer des Jahres 1971; WM-Teilnehmer 1974, Olympia-Bronze 1972; je drei DDR-Meistertitel und FDGB-Pokalsiege mit dem SC Motor/FC Carl Zeiss Jena; 351 Erstligaspiele/153 Tore

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