Von Visit Berlin

Das Berliner Schloss

Das Berliner Schloss von Visit Berlin

Samstag, 9. November 1918, die Revolution erreicht Berlin. Am Nachmittag ist der Lustgarten voller Menschen. Die Wachmannschaften vor den Toren des Schlosses verlassen ihre Posten. Polizisten und Offiziere ziehen ab. Die preußische Machtzentrale, jahrhundertelang Residenz der Hohenzollern, fällt in die Hand der Revolutionäre.

Im ersten Stock über Portal IV öffnet sich ein Fenster, über die Brüstung wird eine rote Decke gelegt. Es ist dasselbe Fenster, an dem Kaiser Wilhelm II. am 1. August 1914 seine jubelnden Untertanen auf den Krieg eingeschworen hat. Jetzt, vier Jahre und 16 Millionen Tote später, hat der Kaiser abgedankt.

Ans Fenster tritt Karl Liebknecht. Für den Sohn von SPD-Gründer Wilhelm Liebknecht, Patenkind von Karl Marx und Friedrich Engels, ist der Tag der Höhepunkt seiner politischen Karriere. Für diesen Moment hat der linke Arbeiterführer Entbehrungen, Gefängnis und Verfolgung auf sich genommen.

Der Krieg sei beendet, der Tag der Freiheit angebrochen, nie wieder werde ein Hohenzoller diesen Platz betreten, erklärt Liebknecht und proklamiert von der Fensterbrüstung aus die freie sozialistische Republik. Die Menge jubelt, Fahnen werden geschwenkt, Hände erheben sich zum Schwur.

Blutiger Bürgerkrieg

Der Triumph ist jedoch nur von kurzer Dauer, die Revolution endet im Bürgerkrieg. Monate mit blutigen Aufständen und Straßenkämpfen folgen. Am 15. Januar 1919 verhaften Soldaten Karl Liebknecht und erschießen ihn und Rosa Luxemburg hinterrücks. Das Schlossportal IV, der Ort, an dem sowohl Beginn als auch Ende des Ersten Weltkrieges gefeiert wurden, ist zu diesem Zeitpunkt bereits zerstört – beschossen und verwüstet während des Angriffs auf die im Schloss verschanzte Volksmarinedivision Weihnachten 1918.

Abriss des Schlosses

Erst 1950, nach dem Ende des nächsten Weltkrieges, erfährt das Portal wieder Beachtung. Die DDR will das im Krieg ausgebrannte Schloss abreißen. Das Relikt der preußischen Macht soll dem Erdboden gleichgemacht werden.

In letzter Minute wird ein Balkon sichergestellt, von dem Karl Liebknecht angeblich gesprochen haben soll. Alle Überreste des Portals werden eingelagert. Zehn Jahre später schließlich integrieren Bautrupps das so bezeichnete „Liebknechtportal“ in die Fassade des DDR-Staatsratsgebäudes.

Heute gibt es das Portal IV gleich zweimal: Die Reste des Originals befinden sich an der Frontseite einer privaten Hochschule, dem ehemaligen Amtssitz des DDR-Staatsrates. Am originalen Schauplatz zum Lustgarten hin steht die Kopie des Portals, eingebaut in die wieder errichtete Fassade des Berliner Schlosses – dem neuen Humboldt Forum.

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