Von Visit Berlin

Das Liebermann-Haus

Das Liebermann-Haus von Visit Berlin

30. Januar 1933. Eine eiskalte Nacht in Berlin. Adolf Hitler ist seit wenigen Stunden Reichskanzler. Es ist der Tag der nationalsozialistischen Machtübernahme. Verbände von SA und SS organisieren eiligst einen pompösen Aufzug, bringen alle verfügbaren Fackeln zum Großen Stern im Tiergarten. Gespenstisch hallt der Marschschritt Tausender Braunhemden durch die Straßen.

Gegen 20 Uhr erreichen die ersten Fackelträger den Pariser Platz. Einen direkten Blick auf das Spektakel hat der Bewohner des Hauses Pariser Platz Nr. 7, der deutsch-jüdische Maler Max Liebermann.

„Ick kann jar nich so ville fressen, wie ick kotzen möchte.“ Mit der für ihn typischen Offenheit drückt Liebermann seine Wut aus. Über 40 Jahre lebt er bereits mit seiner Familie im Palais am Pariser Platz, es ist sein Elternhaus. Nach der Adresse gefragt, lautet die Antwort: Kommste nach Berlin, gleich det erste Haus links. Als es gebaut wird, verläuft am Brandenburger Tor noch die Stadtgrenze. Den Entwurf liefert August Stüler, ein berühmter Schüler des Architekten Karl Friedrich Schinkel.

Heute gehören die Französische Botschaft und das Hotel Adlon zu den prominenten Nachbarn. Der Schriftsteller Thomas Mann nennt das Liebermann Haus zu seiner Zeit den „Brenn- und Sammelpunkt erheiternder und mächtiger Charakterkräfte“. Ganz oben lässt der Maler ein gläsernes Atelier errichten, gegen das der Kaiser ein baurechtliches Veto einlegt. Doch Liebermann kämpft für sein Recht.

Den Höhepunkt seiner Karriere erreicht Max Liebermann 1920 – als Präsident der Preußischen Akademie der Künste, gegen die er in jungen Jahren rebelliert hat. Als Vorsitzender der Künstlergruppe Berliner Secession gehört er zur Avantgarde. Ab 1933 dürfen jüdische Künstler nicht mehr ausstellen. Liebermann tritt von seinem Amt zurück. Zwei Jahre später stirbt er in seinem Haus am Pariser Platz.

Das Gebäude wird bei Luftangriffen der Alliierten zerstört. Wenn Sie heute vor dem Max Liebermann Haus am Pariser Platz Nr. 7 stehen, sehen Sie einen Neubau. Nach dem Fall der Mauer entwirft ihn der Architekt Josef Paul Kleihues in Anlehnung an das historische Vorbild. Seit 2000 hat hier die Stiftung Brandenburger Tor ihren Sitz. Im Geiste Liebermanns unterstützt sie künstlerische Projekte. Treten Sie ein und sehen Sie sich um!

Sommerhaus am See

Es ist eines der letzten freien Wassergrundstücke am Wannsee, umgeben von attraktiven Villen. 1909 kauft Max Liebermann das riesige Grundstück. Innerhalb weniger Monate entsteht hier sein Sommerhaus. „Mein Schloss am See“ nennt es der Künstler stolz. Hier ist er außerordentlich produktiv. Mehr als 200 Bilder malt Liebermann in den Sommermonaten, wenn er mit seiner Familie ans Wasser zieht. Es ist vor allem der Garten, der ihn inspiriert.

Heute laden Sie Villa, Ausstellungsbereich, Garten und Café am See – ein anhand der Gemälde Liebermanns rekonstruiertes Gesamtkunstwerk – zur Besichtigung ein.

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