Written by Pola Kapuste

Falsche Herkunft – schlechte Bildung

Das Berliner Schulsystem ist immer noch ungerecht. Das belegen Studien und die hohe Zahl der Schulabbrecher. Wir haben das Problem der mangelnden Chancengleichheit aus sechs verschiedenen Perspektiven beleuchtet.

Falsche Herkunft – schlechte Bildung von Pola Kapuste

Wieso ist das Schulsystem ungerecht? Wer wird benachteiligt und wer bevorzugt? Was kann man dagegen tun? Und was wird sich niemals ändern?

Ungleich geboren – Soziale Ungleichheit fängt in der Familie an. Jedes Kind wird in eine andere hineingeboren, die ihm verschiedene Förderung bieten kann. Die ersten sechs Jahre entwickelt jeder, abhängig von seinem Umfeld, verschiedene Kompetenzen. Ab der ersten Klasse kommt nach der Kita die Schule als Einflussfaktor hinzu. Hier spielt wiederum das Wohngebiet eine große Rolle. Je nach Bezirk unterscheiden sich die Kompetenzen der Schulen und ihrer Schüler. Hat die Schule keinen guten Ruf, melden Eltern ihre Kinder woanders an oder schicken sie gleich auf eine Privatschule. Übrig bleiben die Übrigen. Ab der ersten Klasse gibt es also bereits eine starke Ungleichheit im Vorwissen der Kinder und ihrer Zusammensetzung im Klassenzimmer.

Indikatoren der Ungleichheit – Die Abkürzungen ndH und lmb erklären, welche Herkunft ein Schüler hat. NdH steht für Schüler nicht deutscher Herkunftssprache, teilweise auch mit ndV beschrieben – nicht deutscher Verkehrssprache, für diejenigen, die zu Hause vor allem kein Deutsch sprechen. Lmb beschreibt lernmittelbefreite Schüler, also Kinder, deren Eltern nicht genug Geld haben, um Schulmaterialien, Ausflüge oder ähnliches zu bezahlen.

Eine Schule mit hohem Anteil an lmb oder ndH Schülern bekommt zusätzliche Unterstützung vom Staat. Mit dem Geld können Schulen beispielsweise Lerncoaches oder Sozialarbeiter engagieren, die die Lehrer bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen.

Ungleichheit verstärkt sich – Diese beiden Quotienten bringen aber auch einen Nachteil für die Schulen mit sich: Sie stigmatisieren. Je mehr lmb und ndH desto weniger Neuanmeldungen von bildungsnahen Kindern. Die Heterogenität im Klassenzimmer nimmt ab – schon wieder.

Vor allem weiterführende Schulen verstecken ihre lmb und ndH Quoten vor der Veröffentlichung, um bürgerliche Schüler – und vor allem deren Eltern – nicht abzuschrecken. Ein hoher Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund und sozial schwachen Kindern steht sinnbildlich für eine Problemschule. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

Ungleiche Bewertung – Doch damit nicht genug. Auch innerhalb des Klassenzimmers bewerten Lehrer Schüler aus bildungsnahen Familien besser. Teils bewusst, teils unbewusst.

Probleme ballen sich – Hat eine Schule einen hohen Anteil an lmb und ndH Kindern fangen die nächsten Probleme an: Deutschkenntnisse fehlen, Elternabende bleiben leer, Schüler arbeiten nicht mit, werden gewalttätig, diskriminierend oder kommen gar nicht. Auch für Nachhilfe können die Eltern dieser Schüler kein Geld aufbringen.

Und so geht die Schere zwischen den Armen und Reichen, den Gebildeten und Ungebildeten immer weiter auf.

Schlussredaktion
Maike Schultz