Von Visit Berlin

Der Berliner Dom

Der Berliner Dom von Visit Berlin

Kaiserwetter kann man im Februar nicht erwarten. Der Himmel über dem kalten Berlin ist stark bewölkt, als sich am Vormittag die Honoratioren des Reiches im Lustgarten versammeln. Wenn der Dom erst fünf Jahre nach dem kaiserlichen Wunschtermin fertig ist, soll er wenigstens heute, am 24. Hochzeitstag seiner Majestät, eröffnet werden. Basta.

Dass noch ein paar Bronzetüren fehlen, die Ausmalung über der Kaiserloge erst Jahrzehnte später fertiggestellt werden soll, kümmert Wilhelm II. nicht. Er selbst ist für zahlreiche Verzögerungen am Bau mit verantwortlich: Unter dem Kaiser als Bauherrn genießt kein Beteiligter die Freiheit, seine Entwürfe einfach umsetzen zu können. So lässt Wilhelm II. seinen Architekten Julius Carl Raschdorff die Pläne für den Dom wieder und wieder überarbeiten. Auch über die Umsetzung jedes einzelnen Entwurfes für die Innengestaltung wird vom Kaiser höchstpersönlich entschieden.

Monument für die Kirche und den Kaiser

Wer wie Sie jetzt auf den Stufen des Domes steht und an der reich verzierten Fassade emporblickt, fühlt sich schier überwältigt von so viel Pracht. Genau das hat Wilhelm II. bezweckt: Dass sich seine kaiserliche Größe im göttlichen Monumentalbau spiegeln möge. Den Lustgarten und das Alte Museum im Rücken, vor allem aber das Stadtschloss der Hohenzollern zur Rechten – der neue Dom komplettiert den steinernen Machtanspruch von Monarchie und Gottesgnadentum. Als Bürger wie Büßer fühlt man sich vor dem 114 Meter hohen Gotteshaus ganz klein. Wie passend, dass auch die Baukosten von zehn Millionen Reichsmark schon damals als astronomisch gelten.

Pünktlich um elf Uhr beginnt an jenem Februarmorgen die feierliche Eröffnungszeremonie. Die Majestäten werden von einer Ehrenkompanie gebührend empfangen, bevor Wilhelm II. vom Vorsitzenden der Dombaukommission den Schlüssel erhält – und ihn direkt an seinen Oberhofprediger Ernst Dryander weiterreicht, der die Tür des neuen Domes öffnet. Zu den Halleluja-Klängen aus Georg Friedrich Händels Messias ziehen Kaiserpaar und Gemeinde in die Predigtkirche ein. „Die Kaiserin mit gütigem Gesichtsausdruck, der Kaiser ganz starre Würde“, wird tags darauf in der Zeitung zu lesen sein.

Die Pracht widerspricht dem Bekenntnis

Die neue Hauptkirche des Protestantismus in Deutschland – Wilhelm II. will ausdrücklich ein Gegenstück zum Kölner Dom – könnte einem mit ihrem prunkvollen Innenausbau fast den Atem verschlagen. Gold, Marmor, Mosaike, Säulen: Unter der stolzen Kuppel wähnt man sich, prachtbedingt, in einer katholischen Kathedrale.

Auch wenn, ob des Potpourris der Stile, Architekt und Gebäude schon vor der Fertigstellung verrissen werden, ist der Dom doch ganz nach dem Geschmack des Kaisers. Und so singt die Gemeinde zum Abschluss des Eröffnungsgottesdienstes Nun danket alle Gott – während die Glocken aller evangelischen Kirchen Berlins zu Ehren des Allmächtigen und seines neuen Hauses läuten.

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