Von Andreas Baingo

Der Dino haucht sein Leben aus

Rüdiger Schnuphase ahnt, dass die Zukunft des FC Rot-Weiß Erfurt in den Sternen steht.

Der Dino haucht sein Leben aus von Andreas Baingo

Es ist schwer, in diesen Zeiten Fan des FC Rot-Weiß zu sein. Die Erfurter, einzig verbliebenes Gründungsmitglied der 3. Liga, sind in ihrer zehnten Saison dabei, haben 361 Spiele auf dem Buckel und so gut wie alles schon erlebt. Nur ist die aktuelle Situation so vertrackt wie noch nie. Der Dino ist nämlich gerade dabei, sein Leben auszuhauchen.

Schlusslicht sind die Männer aus dem Steigerwaldstadion. Abgeschlagen zieren sie das Tabellenende. Die Ausbeute von zwölf Punkten (nur zwei Siege) und mickrigen zehn Toren ist regelrecht niederschmetternd. Von Kontinuität gibt es keine Spur, elf Spiele sind sie nun bereits sieglos. Auch deshalb werden die Rot-Weißen in diesem Spieljahr nach Stefan Krämer und David Bergner mit Stefan Emmerling schon vom dritten Trainer betreut. Um aber den Verein zu retten, müsste der ein Kunststück können.

Danach sieht es jedoch ganz und gar nicht aus, zumal sie mit dem ehemaligen Unioner Christoph Menz in der Winterpause auch noch einen erfahrenen Abwehrmann an Liga-Konkurrent Fortuna Köln verloren haben. „Am Anfang und auch in den anderen Jahren haben sie es immer wieder hinbekommen“, sagt Rüdiger Schnuphase, noch heute ein Rot-Weiß-Idol, „mittlerweile aber ist die sportliche Perspektive sehr, sehr fraglich.“

„Ein Träumer war ich nie, besitze dafür aber ziemlich viel Optimismus. Der verlässt mich aber, wenn ich sagen sollte, dass Rot-Weiß in der nächsten Saison in der 3. Liga spielt. Ich wäre froh, wenn sich Erfurt in der Zukunft wenigstens hier wieder etablieren würde.“

Rüdiger Schnuphase

Zu allem Ärger kommt auch noch eine Portion Pech dazu. Als David Bergner, als Spieler ausgestattet mit dem Stallgeruch des 1. FC Union, die Krämer-Nachfolge antritt, scheint der Knoten zu platzen: 1:0 führt seine Elf bis in die Nachspielzeit – ehe der Torhüter (!) von Gegner Hallescher FC in letzter Sekunde das 1:1 köpft und die Erfurter nur noch tiefer in den Schlamassel stößt. „Das tat sogar mir ein wenig weh“, gibt Schnuphase zu, „denn das hätte durchaus die Wende sein können.“

Es wäre jedoch falsch, den Absturz allein an diesem Spiel festzumachen. Dazu ist zuviel passiert in einem Herbst, der einem fürchterlichen Chaos gleicht: So müssen die Räume in der Geschäftsstelle wegen Mietrückständen verlassen werden; die Mitgliederversammlung wird kurzfristig abgesagt; bis Januar müssen dem Deutschen Fußball Bund 1,5 Millionen Euro nachgewiesen werden, um den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten; der Schuldenstand beträgt laut Aussage von Präsident Frank Nowag 6,8 Millionen Euro. „Angesichts dieser Zustände muss man kein Prophet zu sein, um zu sagen, dass die Zukunft in den Sternen steht“, sagt Schnuphase.

Dabei haben sie sich ein neues Stadion geleistet, nur hat es schon mit der Eröffnung gehapert. Zweimal muss der Termin wegen Bauverzögerungen verschoben werden, als es dann endlich vor einem Jahr soweit sein soll, kann der Flieger mit Borussia Dortmund an Bord wegen dichten Nebels nicht landen und muss abdrehen. Der Zuspruch sinkt auch immer tiefer, in der Arena verlieren sich ganze 3000 Zuschauer, manchmal 4000 – aber das ist schon viel.

„Es macht derzeit tatsächlich keinen Spaß, Spiele von Rot-Weiß zu sehen“, versichert Schnuphase, „selbst wenn die Mannschaft an ihr Limit geht, ist das für die 3. Liga zu wenig. Mehr als ein Bemühen und gute Ansätze kann ich nicht erkennen. In der Offensive ist das Team zumeist gänzlich wirkungslos. Die Geilheit, Tore zu machen, ist kaum vorhanden.“ Haucht der Dino am Ende der Saison tatsächlich sein Leben aus, sollte davon niemand, wirklich niemand überrascht sein.

 Das ist Rüdiger Schnuphase (63):

45 Länderspiele; WM-Teilnehmer 1974; Olympia-Silber 1980; Fußballer des Jahres 1982; Oberliga-Torschützenkönig 1981/82; 320 Erstligaspiele/123 Tore, davon 124/29 für Rot-Weiß Erfurt und 196/94 für Carl Zeiss Jena

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