Von Visit Berlin

Der Flughafen Tempelhof

Der Flughafen Tempelhof von Visit Berlin

150.000 Menschen streben am 6. Juni 1927 auf das Tempelhofer Feld. Noch kann sich kaum jemand den Traum vom Fliegen leisten. Aber wenn die Flieger kommen, herrscht ein riesiger Menschenandrang. Zahllose Flugbegeisterte sind gekommen, um Clarence Chamberlin zu begrüßen.

Der wagt zusammen mit dem Millionär Charles Levine den ersten Direktflug von New York nach Berlin – nur wenige Tage nach dem ersten Transatlantikflug von Charles Lindbergh. Doch kurz vor Magdeburg geht den beiden Amerikanern der Sprit aus. Ihre einmotorige Miss Columbia muss zwischenlanden. In Berlin warten die Massen unterdessen vergeblich auf die Rekordflieger.

Weil Chamberlin versehentlich weiter nach Cottbus fliegt, kommt das Flugzeug erst am nächsten Tag in Tempelhof an. Der Begeisterung der Berliner leistet das keinen Abbruch. Sie jubeln, als die Sirene endlich seine Ankunft ankündigt und die Miss Columbia begleitet von anderen Flugzeugen am Horizont auftaucht. Zwei Jahre später benennt die Stadt den Columbiadamm nach Chamberlins Maschine.

Der neue Flughafen

Wenn Sie heute auf dem Tempelhofer Feld stehen, erleben Sie die Tempelhofer Freiheit. Der Blick kann kilometerweit in die Ferne schweifen. Nur hier in der Mitte des ehemaligen Flugfeldes stehen einige Bäume. Was kaum einer weiß: Genau an dieser Stelle befindet sich der erste Flughafen Tempelhof. Hier wird Luftfahrtgeschichte geschrieben. Dort, wo die Preußische Armee zweihundert Jahre lang ihre Truppen üben lässt und die ersten Flugpioniere ihre Schauflüge veranstalten, nimmt am 8. Oktober 1923 der Flughafen Tempelhofer Feld den Betrieb auf.

Die Anfänge sind bescheiden. Zunächst besteht der Flughafen lediglich aus ein paar Baracken für die Flugzeuge. Im ersten Jahr starten gerade einmal 150 Passagiere vom Tempelhofer Feld. Sonntags herrscht noch Flugverbot. Und im Winter hebt ohnehin kein Flugzeug ab, weil die Maschinen nicht beheizt sind.

Ein paar Jahre später sieht die Welt schon ganz anders aus. Die 1926 gegründete Deutsche Luft Hansa Aktiengesellschaft macht Tempelhof zu ihrem Heimatflughafen. Endlich entsteht ein richtiges Flughafengebäude aus dunkelroten Klinkern. Dessen Markenzeichen sind zwei rot-weiß lackierte Funktürme, die genauso aussehen wie der Berliner Funkturm auf dem Messegelände. Kein Wunder, denn sie stammen vom selben Architekten: Heinrich Straumer.

Immer gegen den Wind

1929 ist das Flughafengebäude fertig – und schon viel zu klein für den Flugverkehr. Bereits damals gibt es Pläne für einen Neubau, der dann erst von den Nationalsozialisten errichtet wird. Nach dem Krieg verschwindet der erste Flughafenbau fast spurlos. Nur die runde Form des Flugfeldes erinnert heute noch an den alten Flughafen.

Da die ersten Flugzeuge immer gegen den Wind starten müssen, besitzt der erste Flughafen keine betonierten Landebahnen, sondern eine kreisrunde Rasenfläche. Das erlaubt den leichten Propellerflugzeugen, in jede Himmelsrichtung zu starten – der Beginn der Tempelhofer Freiheit.

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