Von Visit Berlin

Die Glienicker Brücke

Die Glienicker Brücke von Visit Berlin

Der Morgen des 10. Februar 1962 in Potsdam ist kalt und klar. Um Punkt 8.44 Uhr betritt ein Mann die Glienicker Brücke. Mit langsamen Schritten überquert er die Havel in Richtung Berlin. Es ist der amerikanische Pilot Francis Gary Powers – und als er die Grenzmarkierung auf halber Strecke überschritten hat, weiß er, dass er endlich frei ist.

Sechs Minuten später passiert KGB-Oberst Rudolf Iwanowitsch Abel die Brücke in entgegengesetzter Richtung – der erste Agentenaustausch zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion auf deutschem Boden ist perfekt. Obwohl die Aktion strengster Geheimhaltung unterliegt, gelangen Informationen an die Öffentlichkeit. Schlagzeilen machen die Glienicker Brücke im Südwesten Berlins international bekannt, ihr Ruf als Bridge of Spies etabliert sich.

Die perfekte Brücke für Geheimdienste

Dass die verfeindeten Großmächte USA und UdSSR genau diesen Ort für ihren topsecret Handel wollen, ist kein Zufall: Die 1907 eingeweihte Stahlkonstruktion, deren ursprünglicher Name Kaiser-Wilhelm-Brücke sich nie durchsetzen kann und die in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) ironischerweise Brücke der Einheit getauft wird, eignet sich perfekt für das Geheimdienstbusiness.

Hier herrscht kein reger Verkehr, wie an den innerstädtischen Grenzkontrollpunkten, und wenn im Winter Nebel auf der Havel treibt, wird die Brücke beinahe unsichtbar. Für die Vertreter beider Machtblöcke ist sie von Berlin aus gut zu erreichen und ihr Umfeld kann problemlos observiert und gesichert werden. Kein Wunder also, dass sich der Eiserne Vorhang nach der geglückten Premiere noch zwei weitere Male hebt, um echten oder vermeintlichen Agenten den Weg in die Freiheit zu ermöglichen.

Allerdings dauert es mehr als 20 Jahre, bis sich das filmreife Schauspiel wiederholt: Nach Jahren intensiver Verhandlungen herrscht am Morgen des 12. Juni 1985 plötzlich rege Betriebsamkeit an der sonst menschenleeren Brücke. Auf der Potsdamer Seite wartet ein Bus mit DDR-Bürgern, Polen und einem Österreicher, die wegen des Verdachts der Spionage für die CIA teils jahrelang im Gefängnis gesessen haben. Von West-Berliner Seite nähern sich Limousinen und Kleinbusse mit vier ehemaligen Spionen aus den Ostblockstaaten.

23 US-Agenten gegen vier aus der UdSSR

Der bekannte DDR-Unterhändler Wolfgang Vogel hat diesen Gefangenenaustausch vermittelt – und die Hoffnung, dass auch er gelingt, bestätigt sich: Um zwölf Uhr passieren die 23 US-Agenten sowie vier Geheimdienstmitarbeiter der Sowjetunion die Grenze über der Havel. Diesmal werden die Agenten bis zu der weißen Grenzmarkierung in der Mitte der Brücke gefahren und müssen nur umsteigen.

Auch die dritte und letzte Geheimdienstaktion auf der Glienicker Brücke läuft glatt: Am 11. Februar 1986 werden vier Häftlinge aus dem Osten gegen fünf Häftlinge aus dem Westen getauscht. Nach der Deutschen Einheit wird das Nadelöhr zwischen den Weltmächten wieder zu einer ganz normalen Verkehrsverbindung. Die Faszination der Bridge of Spies allerdings bleibt: 2015 dreht Starregisseur Steven Spielberg den gleichnamigen Film mit Tom Hanks in der Hauptrolle am Originalschauplatz.

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