Von Visit Berlin

Die Philharmonie

Die Philharmonie von Visit Berlin

Benjamin Bilse ist ein talentierter Dirigent. Allerdings ist er auch geizig: Als er den Musikern seiner Bilseschen Kapelle das mit 500 Mark bereits bescheidene Gehalt weiter kürzen möchte und ihnen für eine Konzertreise obendrein Zugtickets in der 4. Klasse bucht, platzt der Kapelle der Kragen.

Von den 56 Mitgliedern verweigern 50 Musiker Bilse die Unterschrift unter ihren neuen Kontrakt. Statt sich vom populären Maestro wie Tagelöhner abspeisen zu lassen, wagen sie die Flucht nach vorn: in die Freiheit.

Am 1. Mai 1882 tritt die notariell beglaubigte Satzung in Kraft, in der sich die Mitglieder des neuen Ensembles zu „gegenseitigen unverbrüchlichen Zusammenhalten“ verpflichten. Zukünftig spielen die Musiker auf eigenes Risiko. Sie bestimmen, wer in das Orchester aufgenommen wird, sie entscheiden, welche Werke zur Aufführung kommen, und sie wählen in geheimer Abstimmung ihren Chefdirigenten – bis heute.

Eine Rollschuhbahn wird zum Musentempel

Der Weg der Ehemals Bilseschen Kapelle, wie sich das Orchester noch nennt, ist beschwerlich, mehrmals droht die Unternehmung um den Dirigenten Ludwig von Brenner zu scheitern. Das erste Konzert in der nun freien Formation präsentieren sie in der Sing-Akademie – bereits im Sommer 1882 findet sich ein neuer, geeigneter Raum: die Rollschuhbahn Central Skating Rink hier in der Bernburger Straße, vor deren Resten Sie gerade stehen. Gehen Sie durch den alten Torbogen hindurch in den Hof.

Hier finden Sie die Gedenktafel des legendären Auftrittsortes der Berliner Philharmoniker. Das offene Gebäude verfügt über eine Bühne und eine eigene Restauration. Während das Publikum schmatzt und schlürft, treten die Musiker für den Konzertagenten Hermann Wolff am 17. Oktober 1882 erstmals als Philharmonisches Orchester auf.

Die Philharmoniker werden zum Spitzenorchester

1887 übernimmt mit Hans von Bülow ein fortschrittlicher wie kompromissloser Dirigent die Leitung der Berliner Philharmoniker. Während er seine Musiker in zahlreichen Proben und mit großer Strenge zu einem Orchester von Weltruf formt, baut der Architekt Franz Schwechten die alte Rollschuhbahn um: Die Bühne, anfangs noch seitlich angeordnet, wird an die Stirnseite verlegt, die Kassettendecke erhöht und mit schallschluckenden Gipsornamenten versehen, Stuck, Medaillons und Komponistenportraits schmücken die Wände. Im bestuhlten Saal ist nun Platz für 2500 Zuhörer. Mit einem Nachhall von optimalen zwei Sekunden bietet die Philharmonie eine grandiose Akustik.

Die Stars der Musikszene geben sich hier in der Bernburger Straße die Klinke in die Hand – bis die Alte Philharmonie während des Zweiten Weltkriegs von einer Fliegerbombe dem Erdboden gleich gemacht wird. Seit dem 15. Oktober 1963 spielen die Berliner Philharmoniker in ihrem neuen Gebäude im Kulturforum Berlin. Nach wie vor sind sie das freieste Orchester der Welt.

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