Von Andreas Baingo

Ein Tag, wie gemacht für Helden

Trotz des Spektakels um Schlussmann Tom Müller bescheinigt Dariusz Wosz dem Halleschen FC immer wieder nur Mittelmaß. 

Ein Tag, wie gemacht für Helden von Andreas Baingo

Von solch einem Moment kann ein Fußballer, zumal in der Dritten Liga und dann auch noch bei einer grauen Maus wie dem Halleschen FC, nur träumen. Dazu als Torhüter einer Mannschaft, die bisher mehr Gegentore einzustecken hat als der Tabellenletzte Rot-Weiß Erfurt. Doch ausgerechnet als es gegen die Thüringer geht, erwischt Tom Müller einen Tag, der wie gemacht ist für Helden.

Es riecht nach Blamage an diesem 21. November. Einen Elfmeter hat Müller schon gehalten, als Christoph Menz, der Ex-Unioner, an ihm scheitert. Dennoch liegt sein Team im Steigerwaldstadion 0:1 zurück, selbst in der 4. Minute der Nachspielzeit noch.

Da eilt Müller nach vorn und schafft das Unmögliche: Der Schlussmann, erst 19 und noch nicht einmal sicher die Nummer 1 seines Teams, weil er sich den Platz zwischen den Pfosten mit dem gerade mal zwei Jahre älteren Oliver Schnitzler teilen muss, köpft das späte 1:1. Der Rest ist Jubel und ein Augenblick, den Müller nie vergessen wird.

Nur: Was ist dieser Geniestreich letztlich wert? “Dieses Tor ist ein Spektakel, das die Hallenser in die Schlagzeilen gebracht hat”, gibt Dariusz Wosz zu, die an der Saale groß gewordene Zaubermaus, “aber auf die Distanz gesehen ist das eher die Ausnahme.”

“Man soll nie nie sagen, auch Paderborn und Darmstadt sind bis in die Bundesliga durchmarschiert. Aber für den HFC wäre ich schon froh, wenn er auch in fünf Jahren in der Dritten Liga spielen würde.”
Dariusz Wosz

Wosz hat triftige Gründe für seine Einschätzung: “Ich kann nicht sagen, dass die Spieler nicht kämpfen, das tun sie durchaus und häufig auch bravourös. Aber wenn ich mich frage, was sie jetzt genau spielen, welche Marschroute sie verfolgen, dann fällt mir darauf meist keine Antwort ein.” Das ist keine Kritik an Rico Schmitt, dem Trainer, einem ehemaligen U 16-Auswahlspieler der DDR, sondern an den Akteuren.

“Der Trainer gibt die Marschroute vor”, sagt Wosz, “aber die Spieler bekommen das nicht umgesetzt. Das kann doch nur eine Frage ihrer Qualität sein.” Vielleicht auch eine der Möglichkeiten, die sie an der Saale haben. Oder besser: nicht haben. Es fehlt nämlich an Trainingsplätzen.

“Einen einzigen Trainingsplatz nur haben die Jungs, das kann auf Dauer nichts werden. Der VfL Bochum besitzt zweieinhalb Plätze und hat damit in der Zweiten Liga schwer zu tun. Was erst der HFC in der Dritten mit nur einem”, wundert sich Wosz. Kurz und knapp: “Es fehlt einfach an der Struktur.” Damit erfüllt der HFC nahezu vorbildlich das Klischee einer grauen Maus. “Wenn sie eine gute Saison spielen und alle Spieler an Bord sind”, sagt Wosz, “könnten sie am Aufstieg schnuppern. Ansonsten haben sie damit nichts zu tun, mit dem Abstieg aber auch nicht.”

Was bleibt, ist, dass sie höchstens gut sind für einen Geniestreich und einen Tag wie gemacht für Helden. Allerdings gibt es den, wenn überhaupt, nur einmal pro Saison.

Das ist Dariusz Wosz (48):

7 Länderspiele für die DDR, 17 für den DFB; Platz 3 mit der DDR-Auswahl U 20 bei der WM 1987 in Chile; 93 Oberligaspiele (15 Tore) für den Halleschen FC Chemie; 324 Bundesligaspiele/39 Tore, davon 239/28 für den VfL Bochum und 85/11 für Hertha BSC

Share on Facebook
Facebook
Tweet about this on Twitter
Twitter
Share on Google+
Google+
Email this to someone
email

Zur Übersicht