Von Andreas Baingo

Go, Trabbi, go!

Noch sucht der FSV Zwickau nach seinem Platz, doch Harald Irmscher traut den Westsachsen jede Menge zu.

Go, Trabbi, go! von Andreas Baingo

Ein Dauerbrenner war Sachsenring Zwickau einst, Gründungsmitglied der DDR-Oberliga, 1950 der erste DDR-Meister, dreimal Pokalsieger und ein Methusalem. In der Stadt in Westsachsen, die dank ihrer Pkw-Produktion in aller Munde war, schauen sie jedoch nur noch selten zurück. Wenn doch, dann vielleicht in die Rückrunde der vorigen Saison, denn da hieß es: Go, Trabbi, go!Läuft es mal nicht, und das war zuletzt doch wieder ab und an der Fall, lassen sie das Frühjahr 2017 Revue passieren und bekommen gleich ein Lächeln ins Gesicht. Selbst Harald Irmscher, der ehemalige Nationalspieler, kann noch immer nicht fassen, was damals passiert ist.Auf einem Abstiegsplatz hatten die Zwickauer überwintert, dank einer überragenden Aufholjagd aber an den Aufstiegsplätzen geschnuppert und mit Rang 5 ein sensationelles Ergebnis abgeliefert. “Das war schlichtweg der Wahnsinn”, erinnert sich Irmscher, der das alles ganz aus der Nähe erfahren hat, weil die Pokalsiegerelf von 1967 das 50-jährige Jubiläum ihres Triumphes gefeiert hat.

Ganz so geschmiert läuft es in dieser Saison zwar nicht, aber das Mittelfeld-Ass von einst weiß: “Gerade als es notwendig war, hat die Mannschaft gezeigt, wozu sie in der Lage sein kann. Da kann sie mehr als nur mithalten.”

“In der 2. Bundesliga hat Zwickau schon gespielt, das ist vorerst das Maß der Dinge. Die Rückkehr dorthin, mindestens aber eine Etablierung in der Dritten Liga, halte ich für möglich.”
Harald Irmscher

Danach sieht es derzeit jedoch nicht aus. Mal findet sich der FSV über dem Strich, mal drunter. Dass er nicht auf einem Abstiegsplatz überwintert, hat mit einem verrückten letzten Spiel vor der Winterpause zu tun, mit dem Derby gegen den Chemnitzer FC. 0:2 liegen die Zwickauer zurück und haben zudem Glück, dass Johannes Brinkies, wie schon im Vorjahr ihr Top-Mann, einen Elfer von Daniel Frahn hält.

Innerhalb von 15 Minuten drehen sie das Spiel, holen mit 3:2 den Dreier und haben dadurch ein Vier-Punkte-Polster auf einen Abstiegsplatz. “Solche Spiele können eine ganze Saison beeinflussen”, sagt Irmscher, “so ein Sieg gibt Selbstvertrauen, die Vorbereitung auf die Rückrunde steht unter einem ganz anderen Stern.”

Deshalb glauben sie an sich. Das vermittelt ihnen auch Torsten Ziegner, seit 2012 im Amt und nach Uwe Koschinat von Fortuna Köln der dienstälteste Drittliga-Trainer. “Er leistet trotz aller finanziellen Sorgen richtig gute Arbeit”, findet Irmscher, “er hat aus der Mannschaft was gemacht und holt aus ihr raus, was nur rauszuholen ist.”

In diesem Stadion haben die Zwickauer ihre wildesten Schlachten geschlagen, inzwischen haben sie ein kleines neues. Die Fans aber stehen für die Zukunft beim ersten DDR-Meister. Foto: Imago

Zudem haben sie mit ihrem Aufstieg 2016 einen Neuanfang gewagt mit einem neuen Stadion. Das Westsachsenstadion mit der berühmten Halde, der nicht minder berühmten Radrennbahn und dem markanten Turm dient nur noch als Trainingsstätte.

“Ich weiß um den Ehrgeiz der Zwickauer”, sagt Irmscher, “sie fühlen sich ihrer Tradition verpflichtet.” Die allein holt schon lange keine Punkte mehr, “aber wenn sie alle stabil bleiben und nicht unnötig am Rad drehen, kann sich was entwickeln.”

Es muss ja nicht wieder ein Pokalsieg sein, eine sorgenfreie Saison in der Dritten Liga tut es ja auch.

Das ist Harald Irmscher (71):

41 Länderspiele/4 Tore, davon 9/3 für Motor Zwickau, 32/1 für den FC Carl Zeiss Jena; WM-Teilnehmer 1974, Olympia-Bronze 1972; FDGB-Pokalsieger mit Zwickau, danach ein Meistertitel sowie zwei weitere Pokalsiege mit Jena; 330 Erstligaspiele/51 Tore, davon 102/12 für Zwickau, 202/36 für Jena sowie 26/3 für Wismut Gera.

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