Von Visit Berlin

Schloss Cecilienhof

Schloss Cecilienhof von Visit Berlin

Es ist ein heißer Sommer, über den Ruinen Berlins flimmert die Hitze. Das nahegelegene Potsdamer Schloss Cecilienhof bleibt zwar von den Bomben verschont, ist dafür aber von den Sowjets besetzt. Dort, wo vier Monate zuvor noch das letzte Kronprinzenpaar des Kaiserreichs lebt, gibt Josef Stalin jetzt den Hausherren beim Treffen der „Großen Drei“.

Seine Gäste: der amerikanische Präsident Harry S. Truman und der britische Premierminister Winston Churchill. Alle kommen sie zur Berliner Konferenz, um nach dem Ende des Krieges über das Schicksal Deutschlands zu entscheiden. In der zerbombten Hauptstadt findet sich jedoch kein Tagungsort – „Berlin ist eine Geisterstadt“(1), wie Truman treffend kommentiert.

Potsdam wird zur Bühne der Weltpolitik

Da das Hohenzollernschloss Cecilienhof, in dessen Innenhof Sie gerade stehen, noch intakt ist, eignet es sich perfekt für die Delegationen der Siegermächte. Und so verwandeln sich die Straßen Potsdams in einen Hochsicherheitstrakt, der von den Uniformen der Alliierten, insbesondere der Sowjets, bestimmt wird. Stalins Verfolgungswahn verlangt eine erhöhte Sicherheit.

Wenn Sie nun den Konferenzsaal betreten, wird Ihnen als Erstes der gewaltige runde Tisch mit einem Durchmesser von 3,05 Metern ins Auge fallen, der extra aus Moskau angeliefert wird. An den drei Armlehnstühlen nehmen die Verhandlungsführer Platz.

Dicke Schwaden von Zigarrenrauch und Pfeifenqualm liegen in der Luft – alleine Präsident Truman raucht passiv. In dieser stickigen Atmosphäre stellt sich schnell heraus: Nach dem erklärten Ziel der Alliierten, der bedingungslosen Kapitulation von Nazideutschland, gibt es keinen gemeinsamen Feind und auch keine gemeinsamen Interessen mehr.

Immerhin einigt man sich auf die „vier großen D“: Deutschland soll denazifiziert, demilitarisiert, dezentralisiert und demokratisiert werden. Das Land wird in Zonen aufgeteilt, in denen die jeweiligen Besatzer politische Handlungsfreiheit genießen. Inmitten der schicksalhaften Konferenz reist Churchill ab.

Die Briten haben sich bei den Unterhauswahlen für einen neuen Premier entschieden, Clement Attlee übernimmt die Verhandlungsführung. Das „Schaf im Schafspelz“ – eine Lästerei Churchills – hat Stalin nicht viel entgegenzusetzen. Die Aufnahme der Oder-Neiße-Linie ins Potsdamer Abkommen, die die Vertreibung von über zwölf Millionen Deutschen aus den Ostgebieten zur Folge hat, kann Attlee nicht verhindern.

Der Kalte Krieg ist eröffnet

Währenddessen zünden die Amerikaner in der Wüste New Mexicos die erste Atombombe. Noch von Potsdam aus befiehlt Truman ihren Kriegseinsatz: Die Abwürfe auf Hiroshima und Nagasaki kosten insgesamt 250.000 Menschen das Leben und setzen den Startpunkt für das nukleare Wettrüsten der nächsten Jahrzehnte. Die Sowjets ziehen 1949 nach und stellen mit ihrer Bombe das „Gleichgewicht des Schreckens“ wieder her.

Aus Verbündeten werden Feinde – die Spaltung Deutschlands und Europas in Ost und West ist die Folge. Wenn Sie vom Schloss Cecilienhof die wenigen Meter zum Ufer des Jungfernsees schlendern, dann stehen Sie direkt vor einem Ergebnis der Potsdamer Konferenz, das bis 1990 Bestand hat: der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze.

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